Wandern

Ähnlich wie am Gardasee ist der nördliche schweizerische Teil des Sees von massiven Bergwelten geprägt. Die zahlreichen Bergtäler, die sich vom See aus ins Hinterland erstrecken, sind Grund genug, den Urlaub hier zu verbringen, von den Schönheiten des Sees ganz zu schweigen. Die Schweizer haben viel daran gearbeitet die Bergwelt ‚begehbar‘ zu machen, sodass auch ‚Nicht-Bergsportler‘ auf ihre Kosten kommen.

Die besten Ausflüge in die Umgebung

Das Centovalli
Centovalli bedeutet übersetzt „100 Täler“, was eigentlich ein wenig irreführend ist. Denn genau genommen handelt es sich lediglich um ein Tal, das Tal rund um den malerischen Wildbach Melazza. Dass es viele verzweigte Seitentäler besitzt, erklärt die Zahl 100, wenngleich diese große Anzahl nicht wirklich erreicht wird. Das Centovalli liegt im Tessin und beginnt gleich oberhalb von Locarno am traumhaften Lago Maggiore. Von hier aus erstreckt es sich bis nach Borgnone an der schweizerisch-italienischen Grenze. In Italien ist der Ausdruck Centovalli nicht gebräuchlich, dort trägt das Tal den Namen „Valle Vigezzo“.

Landschaftlich dominieren dichte tiefgrüne Waldgebiete und steile, teilweise sehr zerklüftete Felsen das Centovalli. Da es von hohen Bergketten gesäumt wird, wirkt das Tal daher auch, als wäre es besonders tief in die Umgebung eingeschnitten. Die höchsten umliegenden Gipfel sind der Gridone mit 2 188 Metern und der Pizzo Ruscada mit 2 008 Metern. In der Nähe der ehemaligen politischen Gemeinde Palagnedra staut sich der Wildbach Melazza zu einem wunderschönen Stausee: dem Lago di Palagnedra. Er zählt geografisch ebenso zum Centovalli und hat eine Wasseroberfläche von 25 Hektar. Die Staumauer, die aus dem Jahre 1952 stammt, hat eine Höhe von mehr als 70 Metern. Der See dient als Ausgleichsbecken für ein nahe gelegenes Wasserkraftwerk und bietet mit seinem türkisblauen Wasser einen traumhaft schönen Anblick.

Zu den schönsten Orten im Centovalli gehört sicherlich Intragna. Die Gemeinde liegt am östlichen Ende des Tals und ist für den Tourismus von hoher Bedeutung. Schließlich liegt sie unmittelbar an der Strecke der Centovalli-bahn, die von Locarno fast durch das gesamte Tal bis nach Domodossola in Italien führt. In Intragna muss die Bahn den Fluss Isorno überqueren: Die 82 Meter hohe Brücke bettet sich harmonisch in die atemberaubende Landschaft ein und ist ein beliebtes Fotomotiv. Aber der kleine Ort hat noch mehr zu bieten: Immerhin befindet sich hier der höchste Kirchturm (65 Meter) der Region Tessin. Dieser sogenannte Campanile ist mit seiner imposanten und fast schon majestätischen Architektur bereits von weitem sichtbar. Die traditionelle Bauweise dieser Region besitzt ohnehin einen ganz eigenen Charakter: Obwohl der ländliche Einfluss unverkennbar ist, verfügen viele Häuser und Bauwerke über Säulen und Bögen aus Stein, was den Ortschaften einen eleganten, aber auch herben Charme verleiht. Auch das kleine Dörfchen Verdasio, das sich an den Südhang des weitläufigen Tales schmiegt, ist sehenswert. Mit seinen rund 20 Einwohnern besitzt es eine bezaubernde und fast schon märchenhafte Atmosphäre. Historisches Wahrzeichen des Centovalli ist allerdings die bereits schon erwähnte ehemalige Gemeinde Palagnedra. Der pittoreske Ortskern mit der idyllischen Pfarrkirche San Michele, die noch aus dem Jahre 1731 stammt, lädt zu einem gemütlichen Bummel ein und begeistert durch ein beschauliches und sehr erholsames Flair. Wanderer kommen im Centovalli ganz besonders auf ihre Kosten. Die etwas verschlafen wirkenden Bergdörfer und die einzigartige Landschaft mit den schroffen Felsen, den quirligen kleinen Bächen und den sattgrünen Wäldern üben einen besonderen Zauber aus. Oftmals bieten sich von den sonnigen Hängen atemberaubende Ausblicke über die Umgebung, zumal manche Dörfchen nur zu Fuß erreichbar sind und einen sehr ursprünglichen Charakter besitzen.

So wie Rasa: Wer dem malerischen Ort einen Besuch abstatten möchte, muss dorthin wandern oder die Bergbahn benutzen. In Rasa hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum etwas verändert, Besucher könnten sogar glauben, die Zeit wäre stehen geblieben. Kein Wunder, dass das Dorf ein beliebter Ausgangspunkt für ausgedehnte Wanderungen ist! Das Centovalli verfügt über ein ausgezeichnetes Netz an Wanderwegen, die in fast allen Fällen sehr gut begehbar sind. Die schönste Jahreszeit ist neben dem Frühling der Herbst, wenn die Landschaft in ein geheimnisvolles goldenes Licht getaucht ist und sich das Laub bunt verfärbt.

Das Valle Verzasca
Wer einen Ausflug ins Valle Verzasca unternimmt, wird einen Ort mit faszinierender Natur, Ursprünglichkeit und idyllischer Schönheit kennenlernen. Das Tal im Schweizer Kanton Tessin (Bezirk Locarno) bezaubert mit steilen Hängen, schroffen Steingebilden und rauschenden Wasserfällen. Den Anblick der typischen Häuser aus grauem Stein und den schweren Steinplattendächern wird sicherlich jeder lange in Erinnerung behalten. Ebenso den wild schäumenden Fluss Verzasca und die reizenden, natürlich entstandenen „Badewannen“. Das Val, welches an die Tessiner Täler grenzt, liegt zwischen Leventina und dem Maggiatal. Der Fluss Verzasca durchfließt es – daher auch der Ursprung des Namens – und wird am Ausgang des Tals zum Lago di Vogorno gestaut. Die Gründe liegen nahe: Schutz vor den Fluten der Verzasca sowie Energiegewinnung. Mit 222 Metern Höhe ist die Staumauer eine der höchsten in ganz Europa. Adrenalinstöße erhalten all diejenigen, welche sich an einem Bungee-Jumping-Seil hängend in die Tiefe stürzen. Für 255 CHF (ca. 200 EUR) ist man dabei!

Wer das Tal besucht, ist sofort von dem klaren grün schimmernden Wasser des Flusses gefangen. Das eiskalte, dahin schäumende Nass begegnet den Gästen des Tals auf all ihren Wegen, mal mehr und weniger badetauglich. Der erste und Hauptort des Tales ist Vogorno in der Nähe des Stausees. Nur wenig deutet auf bäuerliche Strukturen hin, der Ort wirkt modern und offen. Das berühmteste Dorf im Tal aber ist Corippo. Der denkmalgeschützte Ort ist steil an den Hang gebaut und mit der Steinbogenbrücke Ponte dei Saltri ein idealer Ausgangspunkt, um das Tal zu Fuß zu erkunden. Corippo ist ein Museumsdorf, nur noch gut ein Dutzend Menschen leben ganzjährig hier. Kunsthistorisch interessant ist die Pfarrkirche Santa Maria Assunta in Brione, deren Entstehung in die Zeit um das 14. Jahrhundert zurückgeht. Ebenfalls sehenswert ist die Pfarrkirche San Bernardo in Frasco. In Sonogno in der „Casa Genardini“ – einem alten Bauernhaus – befindet sich das Museo di Valle Verzasca. Der Besucher erhält hier viele Informationen zu Kultur, Landwirtschaft und Viehzucht sowie zahlreiche Dokumentationen über die Einwohner des Tales und deren Geschichte. So viel zur Theorie.

Praxis: Die meisten Menschen kommen hierher, um in einem der unvergleichlichen Badegumpen zu plantschen, die der Fluss in Jahrtausenden geformt hat. Diese sind auch wirklich unglaublich schön! Von dem grün schimmerndem Wasser lassen sich auch diejenigen verführen, die sonst eher Bademuffel sind. Regelrecht volksfestartig geht es hier im Sommer zu, Hunderte bevölkern die glatten Felsen, von einem Naturerlebnis kann keine Rede mehr sein. Parkplätze gibt es hier oben zu wenige, entsprechend angeheizt ist die Stimmung. Ein allzu leidenschaftlicher Parkwächter kontrolliert die Parktickets und schreibt fortlaufend Strafzettel, die in der Schweiz empfindlich hoch ausfallen und an die deutschen Behörden weiter geleitet werden. Eine Stunde Parken kostet 2 CHF, die Tageskarte 10 CHF. Der Automat nimmt auch Euro, sparen kann man im Voraus: das Tagesticket kostet in Locarno (Tourismus-Information) 9 CHF (auch eine Wochenkarte gibt es). Das Tal schaltet im Juli und August auf ‚Augen zu und durch` – Modus, was sollen die Verantwortlichen auch tun. Ruhiger ist es im Frühjahr und im Herbst, das Tal kommt zur Ruhe.

Wanderparadies Valle Verzasca: Wer das Tal wirklich kennenlernen will, wählt den Sentierone, eine Weit-Wanderstrecke von Tenero am Lago Maggiore bis ganz hinter ins Tal nach Sonogno. Reich beschrieben in diversen Wanderführern und -broschüren. Alternativ, weil etwas kürzer, bietet sich ein Einstieg über das Bergdorf Mergoscia an. Die Anfahrt ist reicher an Serpentinen, aber auch an Ausblicken. Fast endlos geht es nach oben, der Lago di Vogorno weit unten im Tal entfernt sich immer weiter, und langsam stellt sich die erste Besorgnis ein: keine Staus, kaum mehr Menschen, sind wir noch richtig?

Alles ok, im Ort gibt es Parkplätze vor der Kirche und eine Osteria, hier parkt auch der Postbus. Hinter der Kirche (mit Blick auf den Stausee) finden sich weitere Parkplätze. In ca. 1,5 h führt der ausgeschilderte Wanderweg über die Felsen nach Corippo, viele Mitwanderer treffen Sie unterwegs nicht, denn die meisten Urlauber starten in Corippo oder Lavertazzo – letzteres der beliebteste Ort im Tal; mit der berühmten Bogenbrücke und der Kirche das häufigste Fotomotiv des Valle. Von hier aus führt der abenteuerliche Wanderpfad auf der linken Uferseite bis Brione, auf Höhe des Dorfs Ganne wechselt er dann auf die rechte Seite usw.

Unterwegs weisen zahlreiche Schilder auf Wanderungen in die Seitentäler, z.B. von der Kirche in Frasco aus (Gehzeit ca. eine Stunde). Von hier gelangt man über eine Hängebrücke und durch die Wolfsfalle zu einem schäumenden Wasserfall. Als eine der wildesten Bergwanderungen gilt die Via Alta della Verzasca. Insgesamt fünf Berghütten können über einen Weg erreicht werden, der an den schwierigsten Stellen mit Drahtseilen gesichert ist. Daher ist dieser Weg nur für erfahrene Wanderer zu empfehlen. Eine Rast an einem Blockhaus mit Feuerstelle bei Piee bietet ebenfalls einen schattigen Badeplatz an heißen Sommertagen. Aber Vorsicht! Für das gesamte Badevergnügen in der Verzasca gilt, dass die starke Strömung und der schnell ansteigende Wasserspiegel nach Niederschlägen auch Gefahren bergen. Sie sollten daher unbedingt die Warnschilder beachten und den zahlreichen Hinweisen Folge leisten. Informationen gibt es hauptsächlich im Tourismusbüro der Gemeinde Tenero-Castro-Valle Verzasca.

Das Valle Maggia
Im südlichsten Zipfel der Schweiz, ganz im Westen des italienischsprachigen Kantons Tessin befindet sich der 579 km² große Bezirk Vallemaggia (Distretto di Vallemaggia) mit insgesamt ca. 5800 Einwohnern. Er gliedert sich in die drei Kreise Circolo di Lavizzara (Lavizzara), Circolo della Maggia (Avegno-Gordevio, Maggia) und Circolo della Rovana (Bosco/Gurin, Campo/Vallemaggia, Cerentino, Cevio, Linescio). Der Hauptort des Bezirks ist die etwa 23 Kilometer nordwestlich von Locarno gelegene Gemeinde Cevio mit ihren ca. 1200 Einwohnern, die mit dem eigenen Pkw oder den Bussen des lokalen Nahverkehrsunternehmens „Ferrovie Autolinee Regionali Ticinesi“ (FART) bequem von Locarno aus zu erreichen ist. Die Straße ist auch im Winter passierbar. Die oben genannten und größtenteils noch ländlich und landwirtschaftlich geprägten Orte und Ortschaften sind beliebte Wander- und Ausflugsgebiete.

Kein Wunder, ist doch das 50 Kilometer lange und besonders im nördlichen Abschnitt stark verzweigte Tal von Wäldern, Bergen, Seen und Flüssen geprägt. Manche der Seitentäler sind zudem teils unbewohnt, wie z.B. Val Lavizzara, Val Serenello, Val Cocco, Val Tomè, Val di Prato, Valle di Pertüs oder Valle di Peccia.

Besonders bekannt ist der Ort Ponte Brolla mit seiner steilen Felsschlucht samt imposantem Wasserfall, wo schon Europa- und Weltmeisterschaften im Klippenspringen ausgetragen wurden. Auch als historische Walsersiedlungen mit den charakteristischen Holzhäusern genießen die teils nur von wenigen Dutzend Menschen bewohnten Ortschaften eine gewisse Reputation. Einen Einblick in diese alte alpine Kultur erhält man bei einem Besuch des Walsermuseums in Bosco/Gurin.

Als Wanderziele bieten sich vor allem auch die zahlreichen natürlichen Gewässer und Stauseen im Norden des Valle Maggia an, neben dem populären und gut 1 km² großen Lago del Sambuco bei Fusio im Lavizzara-Tal auch der Lago dei Cavagnöö bei Bignasco und San Carlo, der benachbarte Lago di Robiei und der Lago del Zött – geradezu märchenhaft klare Bergseen in beeindruckender Kulisse.
Eine bekannte und beliebte Strecke führt vom Lago Sfundau bzw. von Robiei, Fusio oder Piano di Peccia zur im Jahr 2002 mit 120 Schlafplätzen neu gebauten Cristallinahütte (Capanna Cristallina) des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) auf 2575 Meter Höhe. Sie steht von Ende Juni bis Anfang Oktober Gästen und Besuchern offen. Ein unvergessliches Erlebnis ist auch eine Exkursion zum gut 73 Hektar großen Lago del Narèt, der den Fluss Maggia speist und dessen Staumauern je nach Wetterlage auch mit dem Auto befahren werden können. Zahlreiche Wanderrouten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden mit Entfernungen zwischen 5 und 50 Kilometern werden auch auf der touristischen Webpräsenz des Vallemaggia vorgeschlagen. So etwa die auch für Ungeübte geeignete und 6,25 Kilometer lange Strecke von Someo nach Cevio, die schon etwas anspruchsvollere Tour über gut 9 Kilometer von Fusio zum Lago Mognola und die einige Erfahrung voraussetzende Via Alta Vallemaggia, deren insgesamt 52 Kilometer jedoch auch in bis zu 7 Tagesetappen bewältigt werden können.

Auch aktive und sportliche Radler und Mountainbiker schätzen die pittoresken Strecken des Valle Maggia als Ausfahrgebiet. Empfehlenswert sind zum Beispiel die Rundwege durch Bassavalle und das Val Lavizzara sowie die Wege zwischen Tegna, Avegno, Gordevio, Maggia, Someo und Visletto. An den Stränden von Avegno kann man sich im Sommer auch herrlich mit einem Bad im Fluss erfrischen. In Brontallo und im Bavonatal kommen dahingegen Kletterer an sorgfältig ausgerüsteten Felswänden auf ihre Kosten, Giumaglio und Bavona sind für ihre Kletterfelsenblöcke in dichten Kastanienwäldern bekannt und von Cimetta aus kann man sich mit einem Paraglider hinab in das Tal gleiten lassen. Populär sind auch die gastro-kulturellen Rundgänge bzw. Fahrten, bei denen man mit E-Bikes die Landschaft erkundet und während der Pausen typische Speisen und Spezialitäten des Tals wie Käse, Mortadella, Salami, Salametti, Honig, Wein und Grappa verkostet. Kulturell, kulinarisch und historisch interessierte Urlauber besichtigen auch gerne die uralten Gärkeller von Avegno, das Dörrhaus für Kastanien in Moghegno und die Weinberge von Lodano.

INFO | Vallemaggia Turismo 6673 Maggia. T +41 (0)91 7531885. www.vallemaggia.ch.