Val Verzasca

Wer einen Ausflug ins Val Verzasca unternimmt, wird einen Ort mit faszinierender Natur, Ursprünglichkeit und idyllischer Schönheit kennenlernen. Das Tal im Schweizer Kanton Tessin (Bezirk Locarno) bezaubert mit steilen Hängen, schroffen Steingebilden und rauschenden Wasserfällen. Den Anblick der typischen Häuser aus grauem Stein und den schweren Steinplattendächern wird sicherlich jeder lange in Erinnerung behalten. Ebenso den wild schäumenden Fluss Verzasca und die reizenden, natürlich entstandenen „Badewannen“. Das Val, welches an die Tessiner Täler grenzt, liegt zwischen Leventina und dem Maggiatal. Der Fluss Verzasca durchfließt es – daher auch der Ursprung des Namens – und wird am Ausgang des Tals zum Lago di Vogorno gestaut; die Gründe liegen nahe: Schutz vor den Fluten der Verzasca sowie Energiegewinnung. Mit 222 Metern Höhe ist die Staumauer eine der höchsten in ganz Europa. Adrenalinstöße erhalten all diejenigen, welche sich an einem Bungee-Jumping-Seil hängend in die Tiefe stürzen. Für 255 CHF (ca. 200 EUR) ist man dabei!

Wer das Tal besucht, ist sofort von dem klaren grün schimmernden Wasser des Flusses gefangen. Das eiskalte, dahin schäumende Nass begegnet den Gästen des Tals auf all ihren Wegen, mal mehr und weniger badetauglich. Der erste und Hauptort des Tales ist Vogorno in der Nähe des Stausees. Nur wenig deutet auf bäuerliche Strukturen hin, der Ort wirkt modern und offen. Das berühmteste Dorf im Tal aber ist Corippo. Der denkmalgeschützte Ort ist steil an den Hang gebaut und mit der Steinbogenbrücke Ponte dei Saltri ein idealer Ausgangspunkt, um das Tal zu Fuß zu erkunden. Corippo ist ein Museumsdorf, nur noch gut ein Dutzend Menschen leben ganzjährig hier. Kunsthistorisch interessant ist die Pfarrkirche Santa Maria Assunta in Brione, deren Entstehung  in die Zeit um das 14. Jahrhundert zurückgeht. Ebenfalls sehenswert ist die Pfarrkirche San Bernardo in Frasco. In Sonogno in der „Casa Genardini“ – einem alten Bauernhaus – befindet sich das Museo di Val Verzasca. Der Besucher erhält hier viele Informationen zu Kultur, Landwirtschaft und Viehzucht sowie zahlreiche Dokumentationen über die Einwohner des Tales und deren Geschichte. So viel zur Theorie.

Praxis: Die meisten Menschen kommen hierher, um in einem der unvergleichlichen Badegumpen zu plantschen, die der Fluss in Jahrtausenden geformt hat. Diese sind auch wirklich unglaublich schön! Von dem grün schimmerndem Wasser lassen sich auch diejenigen verführen, die sonst eher Bademuffel sind. Regelrecht volksfestartig geht es hier im Sommer zu, Hunderte bevölkern die glatten Felsen, von einem Naturerlebnis kann keine Rede mehr sein. Parkplätze gibt es hier oben zu wenige, entsprechend angeheizt ist die Stimmung. Ein allzu leidenschaftlicher Parkwächter kontrolliert die Parktickets und schreibt fortlaufend Strafzettel, die in der Schweiz empfindlich hoch ausfallen und an die deutschen Behörden weiter geleitet werden. Eine Stunde Parken kostet 2 CHF, die Tageskarte 10 CHF. Der Automat nimmt auch Euro, sparen kann man im Voraus: das Tagesticket kostet in Locarno (Tourismus-Information) 9 CHF (auch eine Wochenkarte gibt es). Das Tal schaltet im Juli und August auf ‚Augen zu und durch` – Modus, was sollen die Verantwortlichen auch tun. Ruhiger ist es im Frühjahr und im Herbst, das Tal kommt zur Ruhe.

Wanderparadies Val Verzasca: Wer das Tal wirklich kennenlernen will, wählt den Sentierone, eine Weit-Wanderstrecke von Tenero am Lago Maggiore bis ganz hinter ins Tal nach Sonogno. Reich beschrieben in diversen Wanderführern und -broschüren. Alternativ, weil etwas kürzer, bietet sich ein Einstieg über das Bergdorf Mergoscia an. Die Anfahrt ist reicher an Serpentinen, aber auch an Ausblicken. Fast endlos geht es nach oben, der Lago di Vogorno weit unten im Tal entfernt sich immer weiter, und langsam stellt sich die erste Besorgnis ein: keine Staus, kaum mehr Menschen, sind wir noch richtig? Alles OK, im Ort gibt es Parkplätze vor der Kirche und eine Osteria, hier parkt auch der Postbus. Hinter der Kirche (mit Blick auf den Stausee) finden sich weitere Parkplätze. In ca. 1,5 h führt der ausgeschilderte Wanderweg über die Felsen nach Corippo, viele Mitwanderer treffen Sie unterwegs nicht, denn die meisten Urlauber starten in Corippo oder Lavertazzo – letzteres der beliebteste Ort im Tal; mit der berühmten Bogenbrücke und der Kirche das häufigste Fotomotiv des Valle. Von hier aus führt der abenteuerliche Wanderpfad auf der linken Uferseite bis Brione, auf Höhe des Dorfs Ganne wechselt er dann auf die rechte Seite usw. Unterwegs weisen zahlreiche Schilder auf Wanderungen in die Seitentäler, z.B. von der Kirche in Frasco aus (Gehzeit ca. eine Stunde). Von hier gelangt man über eine Hängebrücke und durch die Wolfsfalle zu einem schäumenden Wasserfall. Als eine der wildesten Bergwanderungen gilt die Via Alta della Verzasca. Die fünf Hütten werden über einen Weg erreicht, der an den schwierigsten Stellen mit Drahtseilen gesichert ist. Daher ist dieser Weg nur für erfahrene Wanderer zu empfehlen. Eine Rast an einem Blockhaus mit Feuerstelle bei Piee bietet ebenfalls einen schattigen Badeplatz an heißen Sommertagen. Aber Vorsicht! Für das gesamte Badevergnügen in der Verzasca gilt, dass die starke Strömung und der schnell ansteigende Wasserspiegel nach Niederschlägen auch Gefahren bergen. Sie sollten daher unbedingt die Warnschilder beachten und den zahlreichen Hinweisen Folge leisten.

Informationen gibt es hauptsächlich im Tourismusbüro der Gemeinde Tenero-Val Verzasca (siehe S. xyz).