Die Visconti

Die Visconti eine der bekanntesten und größten Familien des Italiens der vorangegangenen Jahrhunderte. Sie soll auf den letzten König der Langobarden – eines elbgermanischen Stammes – zurückgehen. Dieser hieß Desiderius und regierte das Reich der Langobarden ab Mitte des achten Jahrhunderts. Wie die Visconti vor allem in der Region um den Lago Maggiore zu solch großer Bedeutung kommen konnten, zeigt ein kurzer Blick auf ihre Geschichte:

Ob die Visconti wirklich vom Langobarden-König Desiderius abstammen, ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt. Fest steht jedoch, dass die Visconti bis ins elfte Jahrhundert zurückzuverfolgen sind. Damals bekleideten Ottone und Anselmo Visconti bereits wichtige kirchliche und politische Positionen. Ottone hatte sich im Zuge der Unruhen um die Kaiserkrönung Heinrichs V. 1106 klar zu diesem bekannt und sich somit gegen den Mailänder Erzbischof gestellt. 1111 starb er in Rom. Guido Visconti, Ottones Sohn, bekam 1134 vom Abt des Klosters Sankt Gallen einen Lehenshof mit dem Namen Massino in der italienischen Provinz Novara übertragen. Ein weiterer Visconti aus der Mailänder Linie war Vittorio. Er wurde vom Mailänder Erzbischof da Velate um 1067 zum damaligen Papst entsandt.

Ein zweiter Ottone Visconti, der von 1207 bis 1295 gelebt hat, war von Papst Urban IV. 1262 zum Erzbischof von Mailand ernannt worden. Mit ihm wurde der Grundstein für die Jahrhunderte andauernde Ära der Visconti gelegt. Mateo I. Visconti, der Neffe Ottones, wurde dessen Nachfolger als Stadtvater von Mailand und baute die Vorherrschaft der Familie weiter aus. So gelang es ihm zum Beispiel, den Einfluss der Visconti bis nach Cremona, Bergamo und Alessandria im Norden Italiens zu erweitern. Der 1210 in Piacenza geborene Tebaldo Visconti sollte als der erste seiner Familie den päpstlichen Stuhl in Rom besteigen. 1271 wurde er als Papst Gregor X. in das höchste geistlische Amt berufen. Ab 1295 bis weit ins 14. Jahrhundert hinein stellten die Visconti in Mailand die Herren beziehungsweise Herzöge der Stadt. Außerdem waren verschiedene Visconti Herzog von Modrone oder stellten im zwölften bis 14. Jahrhundert die Richter der sardischen Provinz Gallura.
Die Visconti am Lago Maggiore
Nachdem in Massino bis ins zwölfte Jahrhundert hinein lediglich ein Mönchs-Kloster bestanden hatte, bauten die Visconti es in kürzester Zeit zu ihrem herrschaftlichen Sitz aus. Davon zeugt noch heute beispielsweise die Burg Visconti di San Vito. Ein weiteres Gebiet am Lago Maggiore, wo die Visconti ihre Handschrift hinterlassen haben, ist das Schweizer Tessin, wie am Castello Visconteo in Locarno zu sehen ist. Die Burg aus dem 12. Jahrhundert war vermutlich der Wohnsitz der kaisertreuen Familie Orelli. Das Castello wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts – um 1260 – von den Waiblingern (Ghibellinen) angegriffen, die sich in Dienste des Kaisers gestellt hatten. 1342 griffen dann die Visconti die Burg von der Seite des Sees und der Landseite her an. Bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts zählte das Castello Visconteo zum Besitz der Visconti. Dann ging es in den Besitz der Eidgenossenschaft über. Noch heute steht das Castello am Rand des schweizerischen Locarno. Die Visconti haben in und um den Lago Maggiore vor allem für die Kultivierung des Acker- und Weinbaus gesorgt. Sie beherrschten das Gebiet um den Lago Maggiore bis hinein in das 18. Jahrhundert.

In der Nachbarschaft des Castello befindet sich mit der Casorella ein sehenswerter Palast mit schönen Stuckarbeiten und einem Deckengemälde (Urteil des Paris) aus dem Werk des Künstlers Giuseppe Orelli. Ebenfalls im Gebäude verbergen sich Bruchstücke der alten Visconti-Burg vor dem Neuaufbau. Unter den Kirchen ist die Madonna del Sasso mit ihrer einzigartigen Höhenlage über Locarno die schönste. Man erreicht sie per Zahnradbahn, zu Fuß oder mit dem Auto. Die Kirche wurde im 15./16. Jahrhundert errichtet, nachdem ein Franziskanermönch an jener Stelle zuvor eine Marienerscheinung hatte. Sie ist das am meisten fotografierte Gotteshaus der ganzen Region. Zu Fuß erreichbar und zudem interessant sind die Basilika Santo Vittore hinter dem Bahnhof, die Chiesa Sant’Antonio südlich der Piazza Grande und die Chiesa Santa Maria in Selva. Überhaupt trifft man bei einem Rundgang durch die Altstadt immer wieder auf architektonisch besondere Häuser und Palazzi, die vorbildlich ausgeschildert sind.

Auf dem Weg zur Maggia-Mündung folgt das Freizeitgelände der Stadt mit dem großen Yachthafen, den Sportanlagen und dem großen Freizeitbad. Dahinter gibt es kleinere freie Badestellen und an der Spitze den vorzüglich gelegenen Campingplatz Delta. Bei niedrigem Wasserstand trauen sich Mutige, den Fluss nach Ascona hin barfuß zu überqueren, bei starker Strömung durchaus nicht ungefährlich. Etwas zurückversetzt liegt die örtliche Falknerei, deren Tribüne so groß ist wie die eines Fußballclubs der 2. Liga.